Das Unglück von Tschernobyl

Eine schlimme Nacht im April 1986

In der Ukraine, in der Nähe der gleichnamigen Stadt, steht das Atomkraftwerk von Tschernobyl. Hier ereignete sich 1986 – vor genau 30 Jahren – das größte Unglück in der Geschichte der Atomkraft. Du hast bestimmt schon einmal von Tschernobyl gehört, aber weißt du, was damals passiert ist?
Eigentlich wollte man einen Sicherheitstest durchführen. Man simulierte einen Stromausfall. Dieser Test ging furchtbar schief – ein Kernreaktor von vieren des Kraftwerks explodierte in der Nacht vom 25. zum 26. April. Dabei wurden riesige Mengen von radioaktivem Material in die Luft geschleudert. Es kam in dieser Nacht zu einem Unfall, dessen Folgen nicht mehr vom Menschen beherrscht werden konnten.

Schwere Folgen für Mensch und Umwelt

Die Folgen der Katastrophe waren vor allem für die Menschen schwer, die in der Gegend um das Kraftwerk lebten. Wie du sicher weißt, kann radioaktive Strahlung einen Menschen sehr schwer krank machen oder sogar töten. Je intensiver die Strahlung ist und je länger man ihr ausgesetzt ist, desto gefährlicher ist es für die Gesundheit. Deshalb mussten die Menschen aus der Umgebung sehr schnell ihre Häuser und Wohnungen verlassen. Sie mussten alles was sie besaßen zurücklassen und wurden mit Bussen in andere Regionen umgesiedelt. Die Stadt Pripyat, in der früher die Arbeiter aus dem Kraftwerk mit ihren Familien gewohnt haben, ist heute eine Geisterstadt. Die Häuser, die Schule, Spielplätze, Straßen und die Geschäfte sind verlassen. Rund um das Kraftwerk wurde eine Sperrzone eingerichtet, die man seitdem nur mit einer speziellen Genehmigung betreten darf. Die übrigen Reaktoren des Atomkraftwerks wurden nach dem schlimmen Unfall trotzdem wieder angeschaltet.

Weil Radioaktivität sich häufig sehr lange hält, ist alles in der Region bis heute verseucht. Gemüse, Getreide, Obst und Viehfutter können hier nicht mehr angebaut werden. Heute leben nur sehr wenige Menschen wieder in der Region. Sie nehmen ein großes Risiko für ihre Gesundheit auf sich und sind jeden Tag der radioaktiven Strahlung ausgesetzt.

Die Menschen, die bei dem Unfall in der Nähe des Kernkraftwerks lebten, leiden oft heute noch unter den Folgen. Viele sind an Krebs erkrankt, einige der Menschen, die direkt nach dem Unfall am Reaktor gearbeitet haben, sind bereits sehr kurz nach dem Unfall gestorben. Es ist bis heute nicht geklärt, wie viele Menschen an den Folgen des Unglücks verstorben sind.

Auch wir sind betroffen

Aber nicht nur die Menschen aus der Gegend um das Kraftwerk waren der Strahlung ausgesetzt. Auch bei uns hatte das Unglück Folgen. Durch die Explosion im Reaktor wurde eine große Menge an radioaktivem Staub sehr hoch in die Luft geblasen. Dort hat er sich in den Wolken angesammelt und wurde vom Wind über ganz Europa verteilt.

Nach einiger Zeit kam der gefährliche radioaktive Staub dann mit dem Regen wieder herunter. In Deutschland war Bayern besonders stark betroffen, weil es dort in den Tagen nach dem Unglück sehr stark geregnet hat. Der Staub sammelte sich am Boden, auf den Feldern und in den Wäldern. Deshalb wurde zum Beispiel vor dem Verzehr von Waldpilzen und Waldbeeren gewarnt.

Seit 14 Jahren ist das Atomkraftwerk in Tschernobyl ganz abgeschaltet. Die meisten Atomreaktoren in Europa unterliegen seit diesem Unfall sehr strengen Sicherheitsbestimmungen. In Deutschland wurde entschieden, dass alle Atomkraftwerke bis Ende des Jahres 2022 abgeschaltet werden. Weil das sehr teuer ist und lange dauert, soll die Stromversorgung nach und nach auf sichere und umweltfreundliche Energiequellen umgestellt werden.

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Radioaktive Strahlung

Es gibt viele verschiedene Arten von Strahlung. Einige kannst Du sehen und spüren. Zum Beispiel Sonnenstrahlen, deren Licht und Wärme wahrnehmbar sind.. Andere kannst Du nur durch Umwandler wahrnehmen. Zum Beispiel erzeugen elektromagnetische Felder Bilder und Töne in Fernsehern, Computern und Handys. In Mikrowellenöfen erhitzen sie die Speisen. Es gibt aber auch Strahlen, die kannst Du überhaupt nicht wahrnehmen.

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