1965 – Die Entdeckung von Umweltgasen im Eis

Wissen in Zahlen
1965

Eher zufällig macht ein französischer Forscher 1965 eine Entdeckung, mit der er fortan weit in die Vergangenheit des Klimas unserer Erde blicken konnte.

Manchmal verdankt die Wissenschaft einen großen Schritt ganz unwissenschaftlichem Verhalten. Gletscherforscher nehmen mit riesigen Bohrern Eisproben aus Gletschern, um aus den so gewonnenen Bohrkernen mehr über den Aufbau der Eismassen zu erfahren. Ein solcher Forscher, der Franzose Claude Lorius, hatte an einem Abend im Jahr 1965 ein paar Brocken einer Eisprobe in sein Glas Whiskey geworfen, um diesen kalt zu genießen. Als nun aus den Eisbrocken kleine Bläschen aufstiegen, hatte er plötzlich einen Geistesblitz: Das mussten Gase aus der Zeit sein, da das Wasser zu Eis gefror! Nun, beim Tauen des Eises wurden sie wieder freigesetzt. Das bedeutete, dass man aus dem Eis der Vergangenheit ablesen konnte, welche Gase zu einer bestimmten Zeit auf der Erde vorherrschten – also wie das Klima zu dieser Zeit war.

Von diesem Abend an, versuchte der Wissenschaftler mit seinen Bohrungen immer tiefer in das Eis vorzudringen, um auf diese Weise das Klima der Vergangenheit zu untersuchen. Viele Jahre später, im Jahr 1998 erreichte er schließlich mit einer Bohrung nahe Wostok in der Antarktis die Rekordtiefe von 3623 Metern. Sie ließ ihn unglaubliche 420.000 Jahre in die Vergangenheit der Erde und eben auch ihres Klimas zurückschauen.

Nach vielen Untersuchungen konnte er letztlich beweisen, dass stets in der Vergangenheit gegolten hat: Gibt es viel Kohlendioxid in der Luft, dann nimmt auch die Temperatur auf der Erde zu. Und, dass der Kohlendioxidanteil in unserer Atmosphäre seit 200 Jahren gewaltig ansteigt. So lieferte das Eis unschlagbare Beweise für all jene, die bis dahin den Menschen nicht in der Verantwortung für den Klimawandel sehen wollten.

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