Artenschutz – was ist das?

Raubkatze hinter Blättern

Das Sterben der Arten hat viele Ursachen. Zum Beispiel den Klimawandel. Du weißt bestimmt: Der führt dazu, dass den Eisbären der Lebensraum wegschmilzt. Die Folge: wenn ihnen das Eis wegschmilzt können sie kaum noch Robben jagen und verhungern. Aber auch wenn Menschen Regenwälder roden oder Moore trocken legen, zerstören sie den Lebensraum von Tieren und Pflanzen. Viele von ihnen können nicht einfach umziehen. Etwa weil der Weg zu weit ist. Oder weil es immer weniger Regenwald und Moore gibt. Und selbst wenn es Reviere gibt, die als Ausweichmöglichkeit geeignet wären, sind sie meist bereits anderen Nutzungsinteressen vorbehalten. Stell dir vor, dein Haus würde unbewohnbar. Du suchst ein anderes Haus, aber alle Häuser weit und breit sind schon belegt. So etwa geht es vielen Tier- und Pflanzenarten.

Tischlein deck dich – Fischlein versteck dich: Überfischen

Eine weitere Ursache für das Verschwinden von Arten ist das Luftaufnahme eines WaldgebietesÜberfischen der Meere. Überfischen heißt: Der Mensch fischt mehr als an Fischen nachwachsen kann. Er plündert die Meere. Denn Fisch schmeckt gut und ist gesund. Und deshalb sehr beliebt auf den Speisekarten rund um den Globus. Kaum zu glauben, dass man sich Sorgen machen muss über den Fischbestand unserer Weltmeere! Aber mit immer mehr Technik an Bord und riesigen Netzen lässt sich heutzutage fast jeder Fischschwarm entdecken und fangen. Und nicht nur das: In den Netzen landen häufig auch jede Menge Fische, die man gar nicht fangen will. Sogenannter Beifang. Die Folge? Viele Fischarten sind bedroht. Hinzu kommt, dass der Klimawandel die Meere erwärmt. Dadurch sterben Korallenriffe - die Kinderstube vieler Fischarten.

Logo CITES

Das muss man nicht haben: Handel mit geschützten Arten

Noch ein anderes großes Problem bedroht Tiere und Pflanzen. Du ahnst es schon: Auch hier hat der Mensch seine Hand im Spiel. Es ist der Handel mit geschützten Arten. Da werden zum Beispiel seltene Papageien oder die Babys von Gorillas oder Orang-Utans gefangen und für viel Geld verkauft. Aber nicht nur mit lebendigen geschützten Tieren wird gehandelt. Auch mit getöteten Tieren. Oder Teilen davon. Zum Beispiel mit dem Elfenbein von Nashörnern oder den Fellen und Knochen von Tigern und Leoparden. Außerdem gibt es eine ganze Menge Produkte, die aus geschützten Tieren und Pflanzen hergestellt werden. Bei manchen Produkten kannst du leicht erkennen, dass ein Tier dafür sterben musste. Zum Beispiel bei einer Tasche aus Krokodilleder. Aber anderen Produkten sieht man nicht an, dass vielleicht sogar bedrohte Arten drin stecken - wie etwa bei Arzneimitteln. Pillen, Tropfen und Salben enthalten häufig geschützte Pflanzenarten.

Ist das Aussterben von Arten nicht ganz natürlich?

Vorsicht! Zwar sind in den rund vier Milliarden Jahren der Erdentwicklung immer schon Tier- und Pflanzenarten von unserem Planeten verschwunden. Denk nur an die Dinosaurier, die hier vor Millionen von Jahren lebten. Insofern ist das Aussterben von Arten im Prinzip durchaus natürlich. Ganz und gar nicht natürlich ist aber die Anzahl der Arten, die inzwischen von der Erde verschwindet. Wissenschaftler gehen davon aus, dass heutzutage 1.000- bis 10.000-mal mehr Arten aussterben als es ohne menschlichen Einfluss der Fall wäre.

Bärenmutter mit Jungen im Wasser.

Warum ist Artenschutz auch für den Menschen wichtig?

Die biologische Vielfalt ist ein riesiger Schatz für uns Menschen. Sie liefert uns Essen, Trinkwasser, fruchtbare Böden und Medikamente. Wir sind auf sie angewiesen. Stirbt eine Tier- oder Pflanzenart aus, fehlt sie nicht allein auf der Speisekarte oder im Rohstoffkatalog des Menschen. Sie fehlt auch anderen Tieren oder Pflanzen als Nahrung. Oder als Versteck oder Nistplatz. Menschen, Tiere und Pflanzen sind wichtige Bausteine im Ökosystem der Erde. Auch unbelebte Elemente, wie etwa Gestein oder die Lufttemperatur, gehören dazu. Sie alle stehen miteinander in einer Wechselwirkung. Fällt eine Art weg, gerät alles leicht aus dem Gleichgewicht. Fallen viele Arten weg, schwankt das Ökosystem schon bedrohlich. Der Artenrückgang kann also schwerwiegende Folgen auch für den Menschen haben. Wir Menschen haben also allen Grund, uns intensiv um den Erhalt der Arten zu kümmern. Tun wir das nicht, sägen wir an dem Ast, auf dem wir sitzen.

Wie lässt sich das Aussterben von Tier- und Pflanzenarten verhindern?

Elefant

Gibt es auch Erfolge?

Du siehst: Es gibt viele Ursachen dafür, dass Tier- und Pflanzenarten auf der Erde verschwinden. Klar, dass es nicht eine einzige Lösung gibt, um all diese Ursachen zu beseitigen. Damit Tier- und Pflanzenarten überleben, ist vor allem eines wichtig: Ihre natürlichen Lebensräume müssen erhalten bleiben. Also zum Beispiel Wälder, Moore, Steppen, Seen – und das Eis am Nordpol für den Eisbären. Nur dann finden Tiere ausreichend Nahrung, finden Plätze, an denen sie ihre Jungen aufziehen können. Klima- und Naturschutz tragen wesentlich dazu bei, natürliche Lebensräume zu erhalten. Aber auch der Schutz von Binnen-Gewässern und der Meeresumwelt spielt eine wichtige Rolle. Um Lebensräume von Tieren und Pflanzen zu schützen, kann die Politik Gesetze machen. Daneben kann aber auch jeder einzelne einen Beitrag leisten. Auch du. Willst du mehr dazu wissen? Dann klick jeweils hier: Naturschutz, Klimaschutz, Gewässerschutz oder Meeresumweltschutz.

Was geschieht gegen den Handel mit geschützten Arten?

Der Handel mit geschützten Arten hört nicht an Staatsgrenzen auf. Darum ist es wichtig, dass die Staaten dieser Welt gemeinsam dagegen vorgehen. Sie müssen sich einig sein, mit welchen Tieren oder Pflanzen überhaupt gehandelt werden darf. Aus dieser Idee entstand 1975 eines der wirksamsten Mittel gegen den Handel mit geschützten Arten: das sogenannte Washingtoner Artenschutzabkommen. Es heißt so, weil es in Washington unterzeichnet wurde. Bis 2012 haben weltweit 175 Staaten das Abkommen unterzeichnet. Von A wie Afghanistan bis Z wie Zimbabwe. Alle 27 Staaten der Europäischen Union (EU) sind dabei. Natürlich auch Deutschland. Und zwar schon seit 1976.

Etwa 5.000 Tier- und 29.0000 Pflanzenarten werden derzeit durch das Washingtoner Artenschutzabkommen geschützt.

Sind auch europäische und deutsche Arten bedroht?

Quizfrage: Welche der folgenden Tierarten leben noch regelmäßig und ohne menschliche Hilfe in Deutschland? Außer im Zoo oder in Gehegen natürlich. Braunbären, Wisente oder Wildpferde? Die Lösung: Keine von den drei Tierarten. Sie wurden hierzulande schon vor langer Zeit ausgerottet. Vor allem durch die Jagd. In Deutschland gibt es noch etwa 48.000 freilebende Tierarten, außerdem ungefähr 9.500 Pflanzen- und 14.400 Pilzarten. Auch wenn dir das viel erscheinen mag – die Zahl der Arten geht auch in Deutschland zurück. Sogar hier gibt es längst eine Rote Liste. Und diese zeigt: Ungefähr jede dritte einheimische Tierart ist in ihrem Bestand gefährdet. Bei Farn- und Blütenpflanzen ist es etwa jede vierte Art. Gefährlich für einheimische Tierarten sind übrigens auch eingewanderte Tierarten. Zu ihnen gehört der Waschbär. So niedlich er auch aussieht – für Vögel, die am Boden brüten, ist er eine vielleicht genauso so schlimme Bedrohung wie nicht angeleinte Hunde. Zumal der Waschbär hierzulande keine natürlichen Feinde hat.

Alle Vögel sind noch da?

Noch heute werden in Europa Tierarten gejagt, gefangen und zum Teil getötet. Zum Beispiel Singvögel, Greifvögel und Zugvögel anderer Vogelordnungen. Selbst wenn sie nicht getötet werden - indem der Mensch sie fängt und ihnen ihren natürlichen Lebensraum nimmt, gefährdet er das Überleben dieser Arten. Was meinst du, kann man tun, um das Sterben von Vogelarten zu verhindern? Richtig! Man muss die Menschen dazu bringen, sie nicht Bestands gefährdend zu jagen oder zu fangen. Und man muss dafür sorgen, dass es ausreichend große Flächen gibt, in denen Vögel - auch während der Zugzeiten - Nahrung finden und brüten können. Ein effizienter Schutz gefährdeter Vogelarten erfordert besonders geschützte Gebiete. Die Ausweisung solcher Gebiete und darüber hinausgehende Schutzmanahmen will die Vogelschutzrichtlinie der Europäischen Union (EU) erreichen. Ähnlich wie ein Gesetz verpflichtet sie alle EU-Mitgliedstaaten, die europäischen Vogelarten zu schützen.

Ein weiteres Artenschutz-Instrument aus der Europäischen Union

Zwar kann man Pflanzen bekanntlich nicht jagen, aber man kann sie unachtsam aus der Natur nehmen. Zum Beispiel, indem man seltene Orchideen pflückt. Auch das gefährdet das Überleben einer Pflanzenart. Und auch hier gibt es eine europäische Richtlinie, die Schutz möglich macht: die sogenannte Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie). Ein etwas schwieriger Begriff für eine einfache Sache: Denn Flora bedeutet Pflanzenwelt, Fauna Tierwelt und Habitat meint den typischen Lebensraum einer Tier- oder Pflanzenart. Kurzum: Diese Richtlinie verpflichtet die Mitgliedstaaten der Europäischen Union, wildlebende Tier- und Pflanzenarten in ihren Lebensräumen zu erhalten. In Deutschland helfen Bundesnaturschutzgesetz und Bundesartenschutzverordnung, gefährdete heimische Arten zu schützen.

Willst du wissen, welche Arten besonders oder sogar streng geschützt sind? Dann klick hier: www.wisia.de.

Was tut Deutschland gegen das Verschwinden von Tier- und Pflanzenarten?

In Deutschland hat die Bundesregierung im November 2007 eine Strategie beschlossen. Eine Strategie ist ein Plan, bei dem man sich Ziele setzt und gleichzeitig genau überlegt, wie man die Ziele erreichen kann. Die Strategie der Bundesregierung heißt "Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt". Mit ihr soll die Vielfalt von Tieren und Pflanzen in Deutschland erhalten werden. Wie ist das alles zu schaffen? Genau! Indem viele mitmachen. Darum heißt die Strategie auch "nationale" Strategie. Das bedeutet: Alle Menschen in Deutschland sind aufgerufen, sich zu beteiligen. Einzelne und Gruppen. Forscher, Unternehmen und Leute wie du. Mit Ideen. Mit Geldspenden. Mit tatkräftigem Einsatz im Natur- und Klimaschutz.

Deutschland ist außerdem weltweit Vorbild, wenn es darum geht, Vögel vor Tod durch Stromschlag zu bewahren. Denn der droht Vögeln an Stromleitungsmasten und Leitungen. Damit das nicht passiert, werden diese in Deutschland vogelsicher ausgerüstet.

Gibt es auch Erfolge?

Es lohnt sich, Ideen, Zeit und Geld in den Schutz von Tieren und Pflanzen zu stecken. Beispiele zeigen nämlich, dass Schutzmaßnahmen durchaus wirken. So verbietet das Washingtoner Abkommen seit 1989 den Handel mit Elefanten und Produkten wie Elfenbein. Mit gutem Erfolg: In einer Reihe von afrikanischen Staaten haben sich die Elefantenbestände erholt. In einigen Ländern stieg die Zahl der Elefanten sogar wieder. Auch aus Deutschland gibt es gute Nachrichten für den Artenschutz: Es gibt hier wieder Wölfe. Und dies mehr als 150 Jahre, nachdem er hierzulande ausstarb.. Prima für den Artenschutz. Schlecht allenfalls für Rotkäppchen..

Was kannst du tun?

Um zum Artenschutz beizutragen, brauchst du weder Naturforscher noch Politiker zu werden. Tu einfach immer das, was Tier- und Pflanzenarten nützt. Oder zumindest das, was ihnen nicht schadet. Pflücke zum Beispiel niemals Blumen, die du nicht kennst. Es könnte eine geschützte Art sein. Laß Deinen Hund in der freien Natur nicht unangeleint laufen: ganz schnell hat er die Nestlinge von Bodenbrütern gefressen, ohne dass Du es überhaupt bemerkst.

Mach auch Artenschutz im Urlaub!

Erholen sollst nämlich nicht nur du dich, sondern auch die Bestände zahlreicher Tier- und Pflanzenarten. Darum sammle auch nicht einfach Muscheln oder Schnecken. Denn sie könnten geschützt sein. Kauf auch keine Souvenirs in denen vielleicht gefährdete Arten verarbeitet sind. Und denk daran: "Hab ich nicht gewusst" ist keine gute Ausrede. Es gibt heutzutage ausreichend viele Möglichkeiten, sich schlau zu machen. Im Zweifelsfall gilt: Finger weg von Pflanzen und Tieren! Willst du mehr zu Artenschutz im Urlaub wissen? Dann klick hier: www.artenschutz-online.de.

Weitere Tipps

Logo mit blauem Fisch auf weißem Grund

Artenschutz fängt schon bei dir zu Hause an. Nutze Recyclingpapier mit dem Blauen Engel! Das hilft, Holz zu sparen. Blatt für Blatt. Achte auch auf das FSC-Logo! Zum Beispiel wenn du Bleistifte oder andere Holzprodukte kaufst. Damit schützt du den Lebensraum Wald. Denn nur was aus nachhaltiger Waldwirtschaft stammt, darf das FSC-Logo tragen. Du isst gerne Fisch? Dann achte beim Fischkauf auf das MSC-Siegel! Nur Fisch, der dieses Siegel trägt, stammt aus naturverträglichen Fischereien. Damit hilfst du, Meeresfische vor dem Aussterben zu schützen.

Du willst noch mehr über Artenschutz wissen? Dann klick hier:
Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit
Bundesamt für Naturschutz